Über

Gregor Bohnensack

Mich interessieren in der Kunst Prozesse, nicht Ergebnisse. Ich mache in folgenden Gruppen Musik:  

Wuppertaler Improvisations Orchester, FREEZZE (Münster)  und         Partikelgestöber (Münster).

 

Lebenslauf:

1957: in  Hamm  geboren 

1980 -83: Studium der Sozialpädagogik in Münster mit dem Schwerpunkt Ästhetik und Kommunikation, vor allem Theaterpädagogik

1983-84: Anerkennungsjahr bei der Stadt Münster (Jugendarbeit)

1987-89: Projektarbeit  bei der Kulturkooperative Münster e.V.: „Förderung und Entwicklung von Eigeninitiative   bei Arbeitslosen durch  Kulturarbeit“

Seit 1990: freiberufliche Tätigkeit als Schauspieler und Rezitator, u.a. beim Transittheater

1994-98: Fortsetzung der Theaterarbeit

Ab 1999: Aufführungen, Lesungen und MusikPerformances (u.a. seit 2013 beim Wuppertaler Improvisations Orchester)                                                                   

 

Ab 2003: Kursleiter für Kreatives Schreiben an Volkshochschulen (Münster, Hamm und Osnabrück) und konfessionellen Trägern  (u. a. Kath. Bildungswerk Mülheim an der Ruhr)                                                                         

Ab 2011: Kursleiter „Lesen und Schreiben“ (auch mit elektronischen Medien) für Menschen mit Handicaps 

 

<aktiv.

 

 

 

Alter: 59
 


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Blog

PARTIKELGESTÖBER

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Freie Musik des Augenblicks: ohne Noten gestaltet von Thomas Schnellen und Gregor Bohnensack.

Unter Bezugnahme von Texten. Textfragmenten, die sich mit Klängen und Geräuschen kreuzen. Klänge, die mit elektronischen Geräten erzeugt werden. Klänge, die mit Blechblasinstrumenten erzeugt werden.

In Münster, Greven, Köln und anderswo.

KONTAKT: g.bohnensack@web.de

 

 

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MIT KREIDE - Meditationen zu Carlfriedrich Claus, Joseph Beuys und Peter Weiß

 

CARLFRIEDRICH CLAUS: Erwachen am Augenblick / Sprachblätter - der Katalog zu den Ausstellungen in KARL - MARX - STADT, MÜNSTER und anderswo aus 1990. Klaus entwirft Sprachbilder / Denkbilder / Lautisolationen. "Poetische Strukturbildung" hinter einer Mauer, hinter einem eisernen Vorhang... "in einer Welt verborgener Kontakte" (Claus in einem Aufsatz über Paul Klee). Wucherungen, die Claus Zeichnungen nennt.

 

JOSEPH BEUYS: Hirsche, Hasen, Bienen. In Werner Schade: "Frühe Aquqrelle...", 2004. Immerzu Versuche den Tieren die Welt mit Worten zu erklären. Sich nicht auf das Gespräch unter Menschen beschränken wollen. Vielleicht auch durch STILLE etwas ausdrücken. Geräusche. Geräuschematerial ist wichtiger als eine Symphonie von Beethoven. Denn das Geräusch ist offen. Das Geräusch verklärt nichts. Kein Gott, kein Funken. Keine Neunte. Keine aufgeblähte Hymne. Kein Staatsgewese.

 

"Vom Tod her leben", sagt Claus 1989, im großen deutschen Vereinigungsjahr. An der Grenze leben - Grenzwerker sein. Claus sagt: "Der Versuch, aus der Gewißheit des Todes zu leben, gibt Halt". Beuys sei sein ganzes Leben hindurch gestorben, erklärt Eva Beuys. Alles vom Rand aus denken. Vom Rand der Zeichnung aus. Wir Menschen mit unseren Linien. Unserem Auf und Ab auf dem Papier. Fixierte Momente. Dann wieder nichts. Wie beim Blasen eines Horns. Der Ton und die Leere. "schneisen des schwingens", sagt Claus. Wir haben nichts anderes als Anlaut und Pause. Einzelne herausgelöste Partikel der Sprache sagen mehr als die Gebilde der Juristen und die Werke der Funktionsschreiber.

 

Kunst in Sprache und Bild - das ist das Unwägbare. Friederike Mayröcker kann man lesen, bei Günther Grass hört der Spaß auf. Suche "Jähe Erkenntnis" (Claus 1969). Mit "herausragendem Hirschkopf" (Beuys, 1948). Schafskelett - Schaf mit einem "a" - in Schafssprache denken, in Schafssprache sprechen. Sich in der Art von Schafen verausgaben. Wollen und Milch abgeben. Sich kreuzigen lassen. In Gleichnissen zu uns sprechen. 1949 Gouache und Bleistift auf Pappe. Genau vermessen und in den Katalog gebracht. 10 x 17,5 cm. Die Techniken des Abschreibens bei Hanne Darboven, erinnern an Claus. Es setzt ein. Claus beginnt sein AUTOmatisches Tagebuch  am 21.6.1957. Andere stehen kurz vor der Geburt, Claus aber beginnt mit dem Zeichnen. Mitten in der Zone setzt er Zeichen. Durch Claus wird die DDR zur Kunstzone. Er spricht von "pychischen Exertitien" , wenn er zeichnet. Dem Unterbewußten Raum geben. Vokabeln. Ohne Titel. Wir Menschen wissen ja nicht wohin. Mitten im Kalten Krieg nichts wissen. Sich nicht von der Angst vor Atomwaffen lähmen lassen.

 

"VOR DER GEBURT", so titelt Beuys 1950. Das Kind in der Mulde. Kunst als Geburtsvorgang. An Fäden gehalten. Die Arme am Kopp. Natürlich Angst. Schamanenangst bei Beuys. Oder Angst vor dem Schwarm aus Russland. 1950: Nachkriegszeit. Verklärung. Unbehagen an der Kultur. Blockbildung. Raketen für einen neuen Krieg. Kunststudium bei Matare - neue Ängste bei jemandem wie Beuys, der 1921 geboren wurde. Kunst als Versuch zu überleben. 1950/1951 gestaltet Beuys die Artistin. Versuch, selber ein Artist zu sein, zu bestehen, mitten in der Konfronation. Bei Steiner Zuflucht suchen - das machen beide Künstler. Eisenchorid und Bleistift gegen die Kriegsbilder, die Beuys noch immer im Nacken sitzen. Noch immer im Reichswald bei Kleve.

 

Claus wird 1930 in Annaberg geboren. Nach 1945 ist er ein Grenzgänger in der früheren DDR. Er begreift sich als Kommunist, wird aber von den Sicherheitskräftenüberwacht. Er ist Lautpoet, experimentiert mit Tonbändern und zeichnet. Seine Eltern haben einen Schreibwarenladen. Claus 1957: die Collagen entstehen im Laden der Eltern in Annaberg zwischen den Bedienpausen. Sein Kopf lädt sich auf. Collagen und Schnittformen. Automatismen in den Tagebüchern - farbige Stifte. Z 115 Ohne Titel. 1958: Farbstifte kommen zum Einsatz. Neue Wege. Anordnungen. Wörter treten ins BILD: "rufen"..."schlafen"..."instrumente". Gedankenspiele und Denklandschaften. Katagnummer Z 116: Fragezeichen aus Grafit. Ohne Titel. Klaus Werner spricht von "schwarzen Partikeln" (Katalog: Erwachen am Augenblick, S. 11). Wortbrüche. WORTHÄUFUNGEN. Gedankensplitter eines Blochianers. Kreuzungen. Hügelgedanken. Schreiben als Eruption. Ein, gegen die Verhältnisse anschreiben. Mysteriöse Blätter rascheln lassen. Nahe am Bauernaufstand sein. Eine Kartoffellese. Arbeit am Erdreich.

 

Fragezeichen auch bei Beuys. Parallele Studien von Claus und Beuys zu Rudolf Steiner. Eisenchorid und Grafit, um die Welt aus den Trümmern zuheben. Gestalten bei Beuys. 1953: Vier Mädchen. VERSUCHE, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen. Eine Gestalt annehmen. Eine Gestalt mit einem Loch im Bauch zu Papier bringen. SELTSAMER Geburtsvorgang bei Beuys (1952). Mit den Tieren leben. Die Tiere nicht schlachten. Ihnen eine Kreuzstätte (1953) errichten. Die Tiere nicht ausgrenzen. Mit den Tieren ins Gespräch kommen. Den Tieren ein Denkvermögen zubilligen (Hirschkopf 1954). Wir wissen nicht, was in den Tieren vorgeht. Aus dem Haus des 'Herrn' flüchten, und "Im Haus des Schamanen" (1954) weilen.

 

Claus 1958, Ohne Titel: "Wortvisualisierungen" (Bemerkung des Herausgebers). Verständigungsversuche. Schwarze Tusche. Der Tuschepinsel als Taktgeber. Abdrücke und Vermischungen. Unschärfen. "Moor" auf Z 131. Vielleicht Gedanke an Moorsoldaten. "Wir sind die Moorsoldaten." Stacheldraht. Verschläge. Häftlinge in Verschlägen. Auch bei Stalin. Stalinalleen in der DDR. Die Bäume singen davon. Lasst 7000 Bäume sprechen. Lasst den Hirschkopf ausreden. "Die Diskuswerferin" von Beuys 1954 Der Staatssport in der DDR. Perfekt organisierte Staffelleistung. Versuche mit leistungssteigernden Präperaten. Der DDR gelingt es nicht, sich diesen albernen Kämpfen um Goldmedaillien zu entziehen.   Claus - Wortstränge - Z 133: Satzkreisungen: wenn die Wörter ihre herkömmlichen Umlaufbahnen verlassen. Seine Mystik, unverständliche Titel für bildnerische Arbeiten - er lernt das jüdische Alphabet mit zehn Jahren. Fortgesetzte und angestrengte Gedankenarbeit - wie aus Wörtern, Gewächse werden. Weitungen des Geistes. Entfesseltes Suchen. Keine Selbstgenügsamkeit wie bei 'professionellen' Künstlern. Ein Sternenhimmel aus Worten und Zeichen. Sich bewegende, sich verselbständigende Gebilde. Nichts Starres mehr, sondern Bewegung, auch Zufall. Der Kreis (der Ring) schenkt neue Perspektiven.. Tierische Spuren, so scheint es, auf dem Papier. Hufspuren. Hasen, die auf der Flucht sind. STILLE Kämpfe auf dem Papier. Huschende Tusche: Schwarz und beidfüßig. Fährten, die nach innen führen und weit machen. "Letternfeld" (1959) - Felder, die sich verselbstständigen wollen. Anarchie auf dem Papier. Claus hatte das "Nachtmeer" - er konnte sich glücklich schätzen. Die "Insekt-Konsonanten" (1960) wird zu Papier gebracht. Die Tierbelauschung ist sein Steckenpferd. "Der Kehlkopf wird Landstreicherrede" (1960). So poetisch sprach Claus.

 

1957: Beuys. Er bringt wie eine Mutter einen Hirschen hervor.  Sehr zart. Aus Eisenchorid. Schwaches Geweih. Ein Hirsch ohne Landschaft. Ein einsamer Hirsch aus dem Geschlecht des Menschen. Die Beine und Hufe in der LUFT wie Äxte. Man kann diese feinen Gliedmaßen nicht kaufen. Frage: "Nach dem Tode, was hat da Gültigkeit" (Beuys, 1958). Als Notiz taucht im selben Jahr die "Bienenkönigin" auf. Von allen Königinnen, ist mir die Bienenkönigin am Liebsten. Z 229 von Claus entstand "in Nachtarbeit" - Nachtschichten sind gut für den künstlerischen Prozess. Die Nacht hat wenig Ablenkungen. Der Künstler findet den innersten Bezirk. Sein Bewusstsein ist in der Nacht klarer. Manchmal rauscht nur noch ein Kühlschrank. "Zirkulation im Knochenmark" (1961), sagt Claus. Er läßt die Farbstifte zirkulieren. Farbstifte verkünden die Wahrheit. Denkmal für einen jüdischen Denker, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Erinnerungsarbeit. Die unbekannten Denker nicht vergessen. Die Ermordeten durch Erinnerungsarbeit wachhalten. Nicht dem Vergasen durch Vergessen anheimgeben. Wo keine Heimat mehr ist. Wörter, die unter die Dusche gekommen sind. Es will nicht mehr richtig sauber werden. 1961/62: Claus zeichnet " Zeit-Wort-Struktur",  der Mutter "herzlichst" gewidmet (Z 240). Gedankengebäude und Satzgefüge - Claus vergisst Thomas Münzer nicht. Aufstand aus dem Geist Jesu. Blut spritzt auf. Es ist das Blut der einfachen Leute. Man darf es offenbar ohne Ende vergießen (siehe: Lampedusa 2013).  

 

EUROPA 2014, Schulung der Vorstellungskraft: Kamerateams der ' freien' Länder filmen die Ertrinkenden. Wie sich die Flüchtlinge an Hölzern und anderen Gegenständen klammern. Es ist eine LIVE-SHOW im Mittelmeer. Die einen machen Urlaub, die anderen ertrinken. Dazwischen Werbeblöcke. Ohne Werbeblöcke ist die Sendung nicht zu finanzieren. Das ist freie Berichterstattung, anders als in Russland. Weil EUROPA freie Medien hat. In EUROPA sollen die Menschen sehen können, wie ein Flüchtling ertrinkt. Die Länder der Freiheit zeigen ALLES. Wir sehen im Flüchtlingsheim, einen Menschen, der sich in die eigene Kotze legen muss. Dazwischen der Werbeblock. Der Werbeblock ist uns zum Blockwart geworden.

 

Konzentrationsarbeit. Klaus Werner, der im Sprachblätter-Katalog von "schwarzen Partikeln" (S. 11). spricht. ERNTE-ARBEIT. Bauernaufstand bei Claus. Kartoffeldienst. Satzgeflügel. Wortgeflechte. Ein Aufstand mit dem Stift als Spaten. Lallen und Lauten. Die Totale mit dem Tonbandgerät. "Lautüberlagerungen" (S. 13) sagt Claus. Alles Banane, Schamane. Beuys und Claus treffen sich in Zeichnung und VerLAUTbarung. Mit Tonbändern "primitive Technik" (Werner, S. 13) anwenden. Z 436: KOMMUNISTISCHES Bewusstsein, Carlfriedrich Claus arbeitet 1967 daran. Der "Augenblick", von dem Bloch sagt, das er dunkel sei.

 

Der SPDCDU-Politikerblock mit seiner Spießerangst vor den Flüchtlingsströmen. Es sind die Innenminister, die einem das Fürchten lehren. AFRIKANER, die sterben. KOLONIALHERRSCHAFT: Afrikaner die, wie Vieh, als Sklaven auf dem Transport sterben. Die Sklaverei war ein europäisches Verbrechen. Die Innenminister wollen diese Geschichte nicht wahrhaben. Neben der Vernichtung des europäischen Judentums, steht die Erniedrigung und Ermordung der Schwarzen.

 

Zurück zu CLAUS: "Die Idee der kommunistischen Revolution", Z 414 (1966),  Müntzers Tod. Das ständige Aufbegehren der einfachen Volksschichten. Münzers Tod, aber die Revolution lebt weiter. Das ist auch dem langen Atem Blochs zu verdanken, seine Erinnerungsarbeit ist wichtiger als die Regierungspolitik Adenauers. Die Eule, das wachsame Partisanen-Tier, beschützt den Aufstand. "Ich nehme mich jetzt unter Aktivierung aller Kraftreserven zu Schriftbildern zusammen, entfalte mich in ihnen total", Claus, zitiert nach Werner (s. o., S. 13).

 

Sich durch "Kraftvergeudung" ernähren , sagt Beuys. 1960, die Sprache befreien. Claus: "Sicht-, hörbare Phasen umfassender Prozesse - Notizen zu Franz Mon" (Katalog, S. 88). Die Sprache nicht mehr als "Verständigungsmittel" sehen. Der Sprache die Rationalität nehmen. Den Klang in Gang bringen. Claus beschwört die "Urzeit-Gewalt" in uns. Er sagt, dass "wir die Magie des Klanges" in uns hätten. Es interessieren ihn die Rituale der Schamanen Sibiriens. Hier entsteht die Linie, das Geflecht zu Beuys, der ebenfalls mit dem Tonband unterwegs ist, und "Ja, ja, ja, ja,ja, nee, nee, nee, nee, nee" wiedergibt - es wird am 27. 3. 1969 im Rahmen der Performance "...oder sollen wir es ändern?" abgespult. "Es kann resignierend, besänftigend, überzeugend, seufzend oder entschieden nachdrücklich, aber auch quäkend, meckernd, kläffend, bellend oder blöckend wie ein Tierlaut klingen", schreibt Mario Kramer in: "Klang & Skulptur / Der musikalische Aspekt im Werk von Joseph Beuys", Seite 108.

 

BEUYS, 1968, in THE SECRET BLOCK FOR A SECRET PERSON IN IRELAND, NUMMER 405, Bleistiftzeichnung und Goldbronze auf chamoisfarbenen Werkdruckpapier. NUMMER 408 'zu FOND' (Aufbau) aus 1969, Bleistft auf weißem Zeichenpapier, linker Rand unregelmäßig gerissen. NR. 411,1969, "richtig hören" schreibt Beuys und "vom Pferd etwas fehlt" - die Verwendung (Verschwendung) von Sprache im Bild ...NR. 413, 1969, komplexe Bleistift: Textspuren: "SAL" und "selbst".  "Geisterhand verdrückt Urschlitten" , NR. 414,1969.

 

Die Hand bei CLaus. "Das Geschehen in Vietnam, am Wort 'Hand' reflektiert"(1966). Wird als Warnung gegenüber dem Kriegszug der US-Amerikaner in Vietnam gedeutet. Bilder von fliehenden Kindern. Angstverzerrte Gesichter. US-Bomber als Zeitzeichen.   Brand. Napalm. Rauch der vergangenen Jahre. Signum seit 1945 ist die amerikanische Lufthoheit. Claus, 1966, mit Z 417: Die Finger lösen sich auf. Übungen der Hand gegen eine Supermacht. Gebrochene Hände. Hilflos erscheinende Gesten. Hände, die nicht aufhören wollen, den Widerstand erproben. Mythos des Sisyphos. Camus. Unterm Stein immer fröhlich bleiben.

 

Z 425 (Sprechakt, 1966). Vietnam - nicht aufhören davon zu sprechen. Fotos von Kindern, die schwere Verbrennungen haben. Das Böse bekämpfen. Der Reisbauer als Inkarnation des Bösen. Der Islamist als Ausgeburt des Bösen.  Die AMERIKANISCHE Oberschicht definiert das Böse. Ich kenne Amerika nur als absoluten Gegensatz zum 'Bösen'. Claus verwendet Farbstiften: gelb, grün, violett, rotbraun, rot. Die Welt bunt machen. Notizen und AufZeichnen. Versuch der Zeugenschaft und der Bezeugungen. Mit der TUSCHE etwas zur Sprache bringen. ICH, das Subjekt, schreibe unter Verwendung des linken Zeigefingers. Rechts ist Niedergang. Ist Muskelschwund. Rechts verkümmert das Gewerbe. 

 

Auseinandersetzung von CLAUS mit dem "Utopischen im Sexualtrieb", Z 457, 1968. Schrift- und Schwanzlandschaft. Arbeit mit Transparenzpapier. Sexualität als Spiel, als Erfahrung des Körpers und des Geistes. Sexualität ohne Bevormundung durch die religiösen Instanzen. Transparente Blusen und "schlagende Schwanzspitzen" (CLAUS). Wider die Verharmlosung der Geschlechtsorgane durch das Geschwätz von Bundesministerinnen für die Familie. Reden über real existierende Sexualität. Immerhin FKK in der DDR. Der Gedankentransporter auf dem Papier. Mit der Feder. Feldbearbeitung des Geschlechtsbebens. Vom Orgasmus und den zukünftigen Dingen. ORGASMUS vielleicht auch als Moment von Schwerelosigkeit. Ringen mit Ernst Bloch in den Zeichnungen von Claus. Bei Bloch wenig Auseinandersetzung mit dem Thema Utopie und Sexualität. Ringen des schreibenden Subjekts mit der Philosohie.  Z 487, 1969, Tod der Mutter, "Todesblatt" - all das Fragmentarische der menschlichen Existenz kommt auf dem Blatt zum VORschein.

 

Müdigkeit beim SCHREIBER. TREFFER der rechten Hand selten. Schreiben ist, auch am Tablett mühsam. Rechte Hand mit Muskelschwund. Schreibeh mit links. Angst vor vollständiger Lähmung schwingt immer mit.

 

Suhrkamp 1968: PETER WEISS, Die Ermittlung, I Gesang von der Rampe. Zitat und kommentierende Erzählung:

 

RICHTER: herr zeuge Sie waren vorstand des bahnhofs in dem die transporte einliefen... wie weit war der bahnhof vom lager entfernt? ZEUGE 1: zwei kilometer vom alten kasernenlager und etwa 5 kilometer vom hauptlager... ich hatte nur dafür zu sorgen dass die betriebstrecken in ordnung waren und dass die züge fahrplanmäßig ein- und ausliefen... Erinnerung des AUTORS an den Vater, der ebenfalls Bahnbeamter war: der Mann, nennen wir ihn A. wie Adam, saß über den Fahrplänen. Er studierte das Kursbuch und telefonierte. Es gibt Fotos davon, wie er den schwarzen Hörer hielt. ZEUGE 1: ich hatte nur fahrplantechnische maßnahmen im zusammenhang mit dem pendelverkehr durchzuführen. AUTOR: Adam hatte eine Vorliebe für Worte wie 'Maßnahme' oder 'Befehl'. Der Befehl war ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Er hatte im Krieg Partisanen zu bekämpfen. Es waren, wie Adam sagte, Tito-Banditen. Adam stopfte dem AUTOR die Ohren mit Tito-Banditen zu. Sich an den Vater erinnernd kam dem AUTOR immer wieder das Wort Tito-Banditen in den Sinn. Die Tito-Banditen töteten deutsche Soldaten. Die Wehrmacht rächte sich grausam. Adam war dabei. Der AUTOR sollte glauben, dass der Vater aus Notwehr handelte. Aber das Kind, das der Autor damals noch war, glaubte an gar nichts. ANKLÄGER: waren es güterwagen oder Viehwagen. ZEUGE 1: es waren auch wagen wie sie zum viehtransport benutzt wurden. Erinnerung des AUTORS: Wie im Hause des Vaters das letzte Schwein geschlachtet wurde. Wie Wohlstand einkehrte und die Frau beim Metzger das Fleisch einkaufte. Daß nicht mehr gepökelt wurde. Im Wohnzimmer wurde das Qualitätsfleisch aufgetischt und im Keller standen die F.D.P.- Plakate. Das Konterfei von Willi Weyer prangte dort. Adam kämpfte für die Liberalen und klebte Aufkleber mit dem Slogan  'Laßt Rudolf Hess frei' auf seine Briefe. Er mähte den Rasen und war ein guter Familienvater. ANKLÄGER: fragten Sie sich nicht was mit den umgesiedelten Menschen geschehen sollte ? ZEUGE 1: sie sollten zum arbeitseinsstz geschickt werden ANKLÄGER:  es waren aber doch nicht nur arbeitsfähige sondern ganze familien mit alten leuten und kindern. ZEUGE 1: ich hatte keine zeit mir den inhalt der züge anzusehn... Auch Adam, so errinnert sich der AUTOR, überprüfte die Dinge nicht. Er folgte blind seinem 'Führer'. Er kämpfte ohne einen Anflug von Selbstkritik gegen die "Tito-Banditen". Er sprach von der glühenden Sonne über Jugoslawien und von den Wassermelonen, die sie in der Hitze verspeisten. Er sprach von den Karabinern und der Überlegenheit deutscher Waffen. Deutsche Waffen sind auch heute noch überlegen. Der AUTOR sah die Köpfe der Feinde in der Hitze des Gefechts wie Wassermelonen zerplatzten. Nie konnte er das rote Fruchtfleisch verzehren, ohne an dieses Bild zu denken. Adam ließ Zivilisten erschießen. 10 serbische Zivilisten auf einen deutschen 'Kameraden'. Adam gab das Kommondo. Es krachten die Schusse. Die Menschen fielen um. Das war der fahrplanmäßige Tod. Das war 1: 10. So ging deutsche Partisanenbekämpfung. ANKLÄGER: herr zeuge Sie haben heute eine leitende stellung in der direktion der bundesbahn demnach ist anzunehmen dass Sie vertraut sind mit fragen der ausstattung und belastung von zügen wie waren die bei Ihnen ankommenden züge ausgestattet und belastet?  ZEUGE 1: es handelte sich um güterzüge laut frachtbrief wurden per waggon etwa 60 personen befördert ANKLÄGER: fragten Sie sich nicht was mit den umgesiedelten menschen geschehen sollte? ZEUGE 1: sie sollten zum arbeitseinsstz geschickt werden.  ANKLÄGER: es waren aber doch nicht nur arbeitsfähige sondern ganze familien mit alten leuten und kindern. ZEUGE 1: ich hatte keine zeit mir den inhalt der züge anzusehn... Auch Adam, so errinnert sich der AUTOR, überprüfte die Dinge nicht. Er folgte blind seinem 'Führer'. Er kämpfte ohne einen Anflug von Selbstkritik gegen die "Tito-Banditen". Er sprach von der glühenden Sonne über Jugoslawien und von den Wassermelonen, die sie der Hitze verspeisten. Er sprach von den Karabinern und der Überlegenheit deutscher Waffen. Der AUTOR sah, wie die Köpfe der Feinde in der Hitze des Gefechts wie Wassermelonen zerplatzten. Nie konnte er das rote Fruchtfleisch verzehren, ohne an dieses Bild zu denken. ZEUGE 1: Es waren Niederlassungen der IG Farben der Krupp- und Siemenswerke ANKLÄGER: sahen Sie häftlinge die dort zu arbeiten hatten? AUTOR: Erinnerung an den Vater, der behauptete, in den Arbeitslagern, seien systematische Ermordungen nicht vorgenommen worden. Einzelne "arbeitsscheue Elemente" seien geschlagen worden und dabei auch ums Leben gekommen. Der Vater des Autors beherrschte die Kunst der Verharmlosung perfekt. ANKLÄGER: hörten Sie nichts über die vernichtung von menschen?  ZEUGE 1: wie sollte man so was schon glauben. RICHTER: herr zeuge Sie waren für die güterabfertigung verantwortlich.   AUTOR: Viele deutsche Menschen fühlen sich von Hause aus mehr für die Abfertigung von Gütern verantwortlich, als für den Schutz des Lebens. Man befördert das Eigentum wie ein Heiligtum. Allein die Kunst bietet hier einen Ausweg. Beuys und Claus als Wegweiser, Lokomotivführer und Zeichengeber. RICHTER: wieviele menschen befanden sich Ihrer schätzung nach in einem waggon? ZEUGE 2: darüber kann ich keine auskunft geben... es war uns streng verboten die züge zu kontrollieren. RICHTER: wer hinderte Sie daran? ZEUGE 2: die bewachungsmannschaften RICHTER: gab es frachtbriefe für alle transporte ? ZEUGE 2: in den meisten fällen waren keine begleitbriefe dabei... da stand nur die zahl mit kreide auf dem waggon...

28.8.14 16:21, kommentieren

VERÖFFENTLICHUNGEN

 

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von Gregor Bohnensack:

 

1. Kasper, Prosa, in: ‚Am Erker’, 

    Literaturzeitschrift, Münster, 1989

 

 2. Holzweg sieben, Lyrik, in: ‚Stadtindianer’, 

    Literaturmagazin, Münster, 1996

 

 3. Olivetti, Prosa, in: ‚Am Erker’,  

    Literaturzeitschrift, Münster, 1998

 

 4. Tausend Zungen, Prosa, in: ‚Macht &  

    Frauen’, Konkursbuchverlag Gehrke,  

    Tübingen, 1998

 

5.  Bergschäden, Prosa, in:

     'Bergschäden’,Verlag Styx 96, Augsburg, 

     1998

 

6.  Vater, Mutter, Adam, Prosa, in: 

     ‚sechskommanull’, Texte der Münsteraner 

     Literaturmeisterschaften 1996 - 1998,

     Agandaverlag, Münster, 1999

 

7.  Die Asche meiner Mutter, Rezension der

     Hörbuchversion des Romans von Frank  

     McCourt, in: ‚irland almanach’, #  1:

     Unrastverlag,  Münster, 1999

 

8.  Performance, Prosa, in: ‚My Way’, 

     Kulturmagazin, Bergkamen, 2000 

 

9.  Jüdische Stimmen: Agnes Bernelle -

     Marcel Reich-Ranicki, Rezension, in:  

    ‚irland almanach’, #  2: Unrastverlag,

      Münster, 2000

 

10. Die Atmosphäre über Irland verändern -

      Notizen zum Verhältnis Beuys, Joyce und

      Irland, Essay, in: ‚irland almanach’, # 3:   

      Unrastverlag, Münster, 2001

 

 11.WERTEladen, Essay, in:

     ‚InselSPRACHE/SprachINSEL’,  ATHENA- 

      Verlag, Oberhausen, 2003

 

12. Wildenten, Lyrik, in: ‚Fluchten –

      Zufluchten’, helicon-Verlag, Kiel, 2003

 

13. Sprechen - oder wie man sich mit Hilfe

      des Gedächtnisses ‚frei’ spricht, Essay, 

      in: ‚Das Gedächtnis bilden – Wie bildet

      das Gedächtnis?’, Gymnasium

      Rhauderfehn, 2006

 

14. Mozartpostkutschen, Lyrik, in: ‚Jahrbuch

      2006 – 2008’, Gymnasium Rhauderfehn,

      2008

 

15. Werbetakt, Minidrama, in:

      ‚monasterium’ , Münsters Zeitschrift für

      Literatur, Kunst und Alltagskultur Winter

      2009/10, Münster 2009 

 

 16. Von verrückten Eseln und singbaren

       Resten – Assoziationen zu einem

       Musikprojekt, Essay, in: ‚Ringgespräch

       über Gruppenimprovisation’, Theorie und

       Praxis improvisierter Musik, Berlin, 2010

 

17. Hans und Franz, Prosa, in: Erzähl doch

      keine Märchen oder Verteidigt jemand

      Hans im Glück’, DuMont Verlag, Köln,

      2010

 

 18. Bespielbare Skulpturen, Bericht über 

       eine performative Aktion auf der

       Museumsinsel Hombroich, in:

       ‚Ringgespräch über

       Gruppenimprovisation’, Theorie und

       Praxis improvisierter Musik, Berlin, 2012

 

19. „Ich hab’s genossen“, Bericht über den

      Komponisten und Cellisten  Alfred

      Zimmerlin, in: ‚Ringgespräch über

      Gruppenimprovisation’, Theorie und

      Praxis improvisierter Musik, Berlin, 2013

 

 20. Fünf Wege etwas aufzuschreiben,   

       Anmerkungen über eine  

       Schreibwerkstatt für Menschen mit

       Handicaps, in:

       ‚Blattwerk‘ - Zeitschrift der

       Freckenhorster Werkstätten, Warendorf, 

       2013

 

1.6.15 01:37, kommentieren

BESPIELBARE SKULPTUREN - GREGOR BOHNENSACK UND FRANK EBELING

Improvisierte Musik und Texte auf der Museumseininsel Hombroich in Neuss - Holzheim am 5.8. 2011

Frank Ebeling (Moers) trifft auf Gregor Bohnensack (Münster). — Ort der Begegnung ist der Turm, eine begehbare Skulptur von Erwin Heerich. Der Turm markiert eine Wegkreuzung. Vier Kieswege führen zu den vier Glastüren des Gebäudes. Frank Ebeling singt. Im Anfang war Gesang, so scheint es. Bohnensack bläst Jagdhorn. Die Kaninchen des Kunstparks im Gebüsch horchen auf. Luftschlangenübungen im Turn. Sänger und Bläser wissen: Atmen ist die Basis der Tonbildung. Stimmen überlagern sich, vermischen sich, gehen über Kreuz. Der Turm ist ein Kreuzweg. Zischen aus dem Metall des Horns. Röcheln, Grenzlanderfahrung für Kehlköppe.

„MACHT DIE MAUER AUF!“ Nicht mehr mauern, sondern klingen lassen. Musik mit Daten der Geschichte verbinden. Klangtupfer. Offenheit der Kunst: Menschen kommen und gehen. Es wird geflüstert, erklärt und diskutiert. Jede Stadt braucht solche Räume.

Ebeling singt mit traumwandlerischer Sicherheit. Der Raum, dieser Turm, scheint sein erweitertes Wohnzimmer zu sein. Heerich im Quadrat. Der leere Raum wird Schicht für Schicht verklanglicht. Hans Arp und Kurt Schwitters hören vom Labyrinth aus zu. Es grüßt die Dada-Messe (1920) in Berlin. Thomas Kling, Dichter aus der Raketenstation, hat ganz in der Nähe gelebt, geschrieben und Kaffee getrunken. Seit 2005 ist er tot. Die Gänse wissen noch vom ihm zu schnattern.

Der Turm, dieses Fadenkreuz, den man über die Kieswege erreicht. Der Kies murmelt einem die Ohren zu, wenn man durch die Anlage läuft. Ebeling lässt Skalen in den Luftraum entweichen. Es ist eine raketenbefreite Zone. Bohnensack entlockt seinem Horn spitze Schreie, indem er das Mundstück küsst. Ist das noch Musik oder schon Luftverkehr?

Klangforschung 1: Ebeling spielt mit Kieselsteinen, lässt sie zu Boden fallen.

Klangforschung 2: Bohnensack drückt das Jagdhorn gegen die Wand.

Klangforschung 3: Laute wie „NOHOHOHO“ und SO...SO... SIEH werden in die Welt gesetzt und verschwinden wieder. Es sind Klänge vom Grenzweg: Ein 30 Minuten-dialog im Schatten der Staatsschuldenkrise. Menschliche Laute, manchmal auch raubtierhart, eine Rachenwarnung. Grenzgängermusik vom Kiesweg. Ein großes MUUHH, eine Langzeitzirkulation jenseits der Arbeitsagentur. Sauerstoffzufuhr statt CO2-Berieselung durch die Unter-haltungsindustrie.

Blick der Musiker durch die Glastür. Begrünte Landschaft im August. „Du sollst auf den Wegen keine Blumen stückeln.“ (Merkblatt des Museums für die Versucher). Wechselspiel zwischen Innen und Außen. Türen schwingen. Es ist ein Kommen und Gehen in Welt und Musik. SINGSANG der Augenblickskünstler, bei Wasser und Rosinenbrot in den Turm gesperrt. Hölderlin isst mit. Beethoven meldet Bedenken an.

Eines der TurmStücke nennt Ebeling Musketiere. Bohnensack ohne Jagdhorn in tiefen Gesangslagen. Ebeling schwingt sich auf. Stimmen wie Kirchweih. Fließgeräusche. Choralsaft. Parallelgesang. Pause. Erneuter Einsatz für Deutschland. Gotteslob ohne Gott, aber europäisch. Generalpause. Anschwellender Bocksgesang. Leiser werdend. Vereinzelte Wolken am Himmel. Klatschende Hände.
Im Graubner Pavillion: Räume wie zwei Schalentiere. Verschiedene Materialien zum Klingen bringen. Ex-perimente speichern. Bohnensack holt seine Taschen-Trompete aus dem kleinen Koffer, der wie eine Kos-metiktasche aussieht. Doch es geht nicht um Gesichts-feldpflege. Die schwarzen Tröte wirft Echos. Trompetenbelagerung.

Ebeling überlistet den Raum: Klare Töne. Wenig Hall. Er zähmt Rhythmus und Melodie. Ein disziplinierter Performer, der den Oberkörper mit seinen Händen rhythmisch beklopft. Körpermusik entsteht, der Mann bewegt sich wie ein Schamane aus dem Stamm der Beuysianer – auch Ebeling kommt vom Niederrhein. Er schreitet durch den Raum, schlägt die Blechschüsseln, die er unterm Hemd trägt. Er ist Graubners Magier. Ein rotes Plastikrohr über den Kopf schwingend, erzeugt er Heultöne. Man ist bei den Wölfen angekommen. Ebeling als sanftes Raubtier. Es klingt nach sibirischer Sinfonie. Die Glasfront erinnert an den Zoo. Füttern verboten, aber die Zuhörer schauen und lauschen dennoch.


Die Schnecke, hier findet Ebeling endlich eine Stromquelle für seine Kaossmaschine. Bohnensack greift wieder zum Jagdhorn. Stiche von Rembrandt hängen an den Wänden. Kleine Arbeiten, die man stehlen könnte. Keine Aufsicht im Raum. Keine Kontrolle. Das beflügelt die Musiker. Bohnensack jagt das Horn mit müden Lippen. Sich mit Rembrandts Kaltnadel messen. Ebeling speichert die Klänge und verfremdet sie. Perkussive Momente der Maschine im Atemstrom des alternden Blechbläsers, der sein Mundwerkzeug im Posaunenchor an den Chorälen Bachs geschult hat: „So nimm denn meine Lippen und führe mich.“

Ebeling kniet für vor seiner Kaossmaschine, die er mit zwei Boxen verbunden hat. Bei ihm pulsiert jetzt die Elektronik. Mikrochips ersetzen die kalte Nadel. Die Apparatur dehnt die Zeit, vermag aus einer Mücke einen Elfanten zu machen. – Bohnensack hingegen bläst heißblütig und schnaufend wie die Jäger; er kommt aus der Urzeit. Spontantexte kommen ins Spiel: Grautöne der Fenster zum Schutz von Altmeister Rembrandt. Situationsbeschreibung an einem Museumstag im August 2011. Milchiges Dunkelwort, aber die Improvisation bringt Licht: Die Schnecke bebt.
 
 
Text Gregor Bohnensack 
 
Projekte von Ebeling / Bohnensack unter:
24.7.11 21:15
 
 

12.9.14 14:16, kommentieren