Gregor Bohnensack - Schlößer

Performer und Coach
 

Categories

Letztes Feedback

Meta





 

Über

LEBENSLAUF

1957 in Hamm geboren...

 

1979-82 Studium der Sozialpädagogik in Münster    

mit dem Schwerpunkt Ästhetik und Kommunikation,  

vor allem Theaterpädagogik...

 

1983-84 Anerkennungsjahr bei der Stadt Münster (Jugendarbeit)...

 

1987-89 Projektarbeit bei der Kulturkooperative   

Münster e.V.: „Förderung und Entwicklung von       

Eigeninitiative bei Arbeitslosen durch Kulturarbeit“...

 

Seit 1990 freiberufliche Tätigkeit als Schauspieler   

und Rezitator, u.a. beim Transittheater...

 

Seit 1992 verheiratet mit Angelika

Schlößer...                      

 

1993 Geburt der Tochter Eva (Vaterzeit)...

 

1994 - 99 Fortsetzung der Theaterarbeit...

 

Seit 1999 Lesungen und Musik-Performances     

(unter anderen mit Thomas Schnellen und Thomas

König...)

 

Seit 2003 Kursleiter für Kreatives Schreiben an

Volkshochschulen (Münster, Hamm, Essen,       

Bottrop und Osnabrück,) und konfessionellen

Trägern (u. a. Kath. Bildungswerk Mülheim an der

Ruhr)...

 

Seit 2011 Kursleiter „Lesen und Schreiben“

(auch mit elektronischen Medien) für Menschen mit   

Behinderungen, Ev. Fabi Münster und

Caritasverband Warendorf...

 

Seit 2015 im

Wuppertaler Improvisations Orchester (WIO)...

 

Von 2015 – 2018 hauptamtlich für die

Heilpädagogische Hilfe Osnabrück im Projekt

„Osnabrück inklusiv“ tätig ...

 

Von Mai 2019 - April 2020 bei Westfalenfleiss,

Münster, im Ambulant Unterstützen Wohnen

(AUW) beschäftigt...

 

Ausbildung zum Coach (Abschluss 2019) im            

Haus Ohrbeck (Georgsmarienhütte)

Alter: 63
 


Werbung




Blog

Mein Sommer mit Corona

 

Den Sommer 2020 beschreiben.

In diesen Tagen ist vieles anders.

Gerade auch beim Kaffee trinken.

 

Hier der Link zu einem Gedicht von mir:

 

 //www.kefb.info/was-tun-in-corona-zeiten/unsere-tipps-fuer-sie-alle/

 


27.7.20 22:35, kommentieren

Vorschau: Digitaler SchreibWorkshop

Mein Sommer mit Corona -

Ein digitaler SchreibWorkshop mit

Gregor Bohnensack-Schößer beim Kath. Bildungswerk Mülheim an der Ruhr

Mit Zoom und Online gestellten Aufgaben!

Beginn: 26.8.2020 von 18:00 - 19:30 Uhr

4 Treffen

 

ANMELDUNG UND WEITERE INFORMATIONEN:

 https://www.kefb.info/region-west/muelheim/kunst-kultur/kurs/Mein+Sommer+mit+Corona+Ein+digitaler+Schreibworkshop/nr/B1540001Z/bereich/details/kat/31/

28.7.20 00:35, kommentieren

AM KREISEL


 

Kreisen um Beton: Mit Thomas Schnellen an der großen Handpan

Der Aasee in Münster liegt unbeteiligt da  Jogger und Passanten bewegen sich unauffällig   

Schellenkranz auf Beton - Es rappelt, scheppert, wenn das Instrument über die Fläche gezogen wird

Der Kreisel von Donald Judd - Beton in klarer Form  ins Grüne plaziert, alles für die Kunst

Am Aasee, Ringe aus Beton, 1977 für das Skulpur Projekt Münster geschaffen

Die Jahreszeiten von Vivaldi, Drehbewegung an der Spieluhr, kreisen (auch da)

Die Hände noch immer am Corona-Band, Signalrot, Gedanken an einen Tatort

Für eine Stunde die gewohnten Bahnen verlassen

FREE - leuchtet es, aufgesprüht, Gestaltung erwächst aus der Bewegung

 

Ein älterer Mann bleibt doch stehen

Und hebt aus der Ferne

Die Hand - zum Gruß

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

24.7.20 12:12, kommentieren

Coaching mit Carl V

20.7.20 17:00, kommentieren

PERFORMANCE "GESPRÄCH MIT SOLDATEN"


Ein warmer Samstag

Im Schloßgarten in Münster

19. Juli 2020

 

"Am Band" - rotweiß, Absperrung

Ich agiere mit Spieluhren 

Unter anderem mit der Melodie 

"Weißt Du wieviel Sternlein stehen" - Leise,

Sehr leise

Unter Bäumen und Büschen

Bisweilen hört man die toten Soldaten

wie sie flüsternd im Schützengraben

Die Sternlein zählen

 

Jenny Holzers Bänke zum

Skulpturen Projekt 1987

Zwischen dem KRIGERDENKMAL

Für die gefallenen Soldaten des

22 Artillerieregiments (1923 errichtet)

Sprache eingemeißelt Children

Soldier

 

Das Zählen der Sterne gehört

Zu den vornehmsten Aufgaben

Der Soldaten

 

An diesem Samstag sind

Nur wenige Spaziergänger

Im Schloßgarten unterwegs -

Sandsäcke neben den Bänken

Das Erdreich aufgerissen -

Es wird im Park gewerkelt

Haltet Schwert und Ehre blank!

Unsere Toten - Warten! Ruft der Krieger

 

Warten auf den nächsten Einsatz. Wo?

Unter welchem Himmelszelt

In welchem Erdteil?

Überall Friedensmissionen

 

Lasst Spieluhren

Erklingen

 

Jenny Holzer, 1950 geboren.

In Ohio als Tochter eines Autohändlers.

Heute, 2020, ist sie 70 Jahre alt.

Im Fernsehen sah sie in der Kindheit Filme zum Thema

2. Weltkrieg.

Der Vater war Alkoholiker.

Spache, Schreiben, erweist sich für Holzer als wichtig.

Schreiben, um etwas von der Gewalt, die uns umgibt, auszudrücken.

Schuldgefühle bei Holzer, wegen der angeblichen Nutzlosigkeit des künstlerischen Wirkens.

Nataly Savina hat dazu 2002 eine Hausarbeit verfasst: "Jenny Holzer. Absichten, Impulse, Leitmotive und Botschaften einer Künstlerin

Man solle mit Holzers Arbeit dialogisch umgehen und "eigene Kunstwerke" schaffen, sagt ihre Biografin. Dies war auch meine Intention im Schloßgarten in Münster.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20.7.20 16:30, kommentieren

Bad Oeynhausen, Kurpark


In der Pension angekommen. Sitze im Zimmer. Nehme mir ein Buch vor, das ich mitgenommen habe: Die Kinder der Toten von Elfriede Jelinek. Ich übe die Spracheingabe. Die Umwandlung des gesprochenen Wortes in einen Text. Arbeit mit dem neuen Tablet.

 

Es ist 14:00  Uhr. Das Haus, die Pension Sonnenschein in der Mozartstraße, ist ruhiger geworden, kaum noch Stimmen. Wenig Autos. Im Moment nur meine Stimme, die in das Gerät spricht.

 

Zum "Handel  und Wandel gehört der Fremdenverkehr", sagt Elriede Jelinek in den Toten. Mein erster "Fremdenverkehr" seit den Sperrungen der Corona-Zeit ist Bad Oynhausen. Ich schreibe und genieße die Stille. Weiter im Text bei Elfriede Jelinek. "Kinder, Futter für die Kanonen" schreibt Jelinek über die Herrschaft eines Erzherzogs im Österreichischen.

 

Österreich. Das alte Österreich. Ich sitze in Bad Oeynhausen und bedenke Österreich. Die Touristen ziehen bei Jelinek in die Berge. In Österreich ist die Luft gut,  sagte meine Mutter, wenn wir Urlaub  machten, und ich musste schon als Kind lange Spaziergänge über mich ergehen lassen. Einmal stürzte ich dabei und trug eine Wunde am Kopf davon, die nicht vollständig verheilt ist.

 

In Bad Oeynhausen gibt es keine Berge,  sondern nur einen Kurpark. Es ist Juli. Ein kühler regnerischer Tag im Juli  2020. Erinnerung an heiße Bäder in meiner Kindheit. Kompromisslos bestimmt Mutter die 'richtige' Temperatur.

 

Beschreibung einer Autorin: "... er hat wilde Pferde unter der Haube", so schreibt Jelinek. Ich bin auch mit dem Auto im Gästehaus. Ein VW. Kein wildes Pferd. Ich fahre nicht gerne. Ich hatte mich ergeben und auf Wunsch meiner Eltern den Führerschein gemacht.

 

Jelinek entwirft eine weibliche Figur, eine Studentin, die sich seit "langem unbewusst aufs Sterben einstimmt."  Einstimmen, ein Musikinstrument stimmen. Jelineks Figur erscheint wie eine verstimmte Geige. Eine eigenartige Musikalität prägt diese Personenbeschreibung. Im ersten Leben war die Jelinek ja auch Musikerin. Und wenn sie es geblieben wäre? Stelle mir die Autorin immer  wieder als Musikerin vor, genauer als Organistin,  die im Sommer in den Feriengebieten Österreichs, vorrangig rund  um den Wörthersee, die wohlhabenden und gebildeten Gäste musikalisch beglückt. Eine, die sich nützlich macht und den Fremdenverkehr durch wohltemperierte Klänge stärkt. Eine  Künstlerin eben auch, die keine Kippfiguren schafft, sondern konstruktiv ist.

 

Ich verlasse die Pension. Konstruktiv ist , wenn man den Mundschutz benutzt. Mit dem Jagdhorn gehe ich in den Park von Oeynhausen. Ich nehme die Maske ab, atme und  blase. Töne vermischen sich mit Geräuschen. Ein Springbrunnen, der Wasser in die Höhe jagt. Eine  Arbeiterin an einer Art Spritzpistole. Es zischt. Sie reinigt Gegenstände durch Wasserdruck. Es ist eine längere Improvisation. Gefühlt über eine ganze Stunde. Von oben immer wieder etwas Regen mit seinem sanften Geräusch. Eine Begleitmusik.

 

Der ganze Park ist eine Kulisse. Es naht das GOP-Theater. Ende Juli werden sie wieder spielen. Großes  Werbebanners: ‘Wir wieder für euch da’. Es erinnert an Bundesliga - Fußball.  Bandenwerbung, die jetzt - ohne Zuschauer- viel deutlicher in Erscheinung tritt.  Spiele vor leeren Rängen, Profigeister sind diese Kicker. Es ist das Corona-Zeialter. Die Fussballer "spielen gegen den Ball" (wie die Kommentatoren zum Besten geben) und werben für Versicherungen, Autos   oder für Motorenöl. Die Spieler sind ja selbst Maschinen. Gestelle, vom Grillmeister gesponsert.

 

Corona entfaltet voll das Kulissenspiel.  Es herrscht Maskenpflicht. Die Mundlappen baumeln am Rollator, vom Wind leise bewegt.

 

Ich verfertigte im Park von Oeynhausen ein Klangprotokoll: das Zischen beim Abspritzen  eines Gegenstands (es wird wohl ein Grill gereinigt). Rauschen von in die Höhe spritzendem Wasser (aus dem Brunnen vorm Varietetheater GOP). Gesprächsfetzen von Jugendlichen, die den Park queren. Atemgeräusche aus meinem Jagdhorn. Ist das schon Lärmen?  Die Parkordung verbietet "Lärmen".

 

Das männliche Geschlecht - "es wippt" sagt Jellinek. Ist "vom Gestell losgebunden, ein Tier", so die Autorin in ihrer Roman.

 

Maske auf! Ich kaufe mir in einem Kiosk eine letzte Süddeusche Zeitung.  

Ein Gerichtsverfahren beschäftigt Deutschland in diesen Tagen im Juli 2020. Die Süddeutsche widmet dem Fall eine ganze Seite.

 

Ein Mann,  ein Adrian, hat in Rot am See sechs Menschen, darunter seine Mutter erschossen. Er fühlte sich am Glied verletzt.  Adrian wurde mit einer Fehlbildung am Penis geboren. Mutter habe über den "kleinen Pullermann" gespottet, erklärt er vor Gericht. Das sollte eine Mutter besser nicht tun. Am Telefon nennt Adrian, unmittelbar nach der Tat, einem Polizisten sein Motiv: "20 Jahre Kindesmissbrauch". Adrian war gut in der Schule. Gut in  Physik. Aber am wichtigsten sei ihm auf "der Welt" seine Männlichkeit gewesen. Und zwar "mit Abstand". Man beachte die Abstandsregeln nicht nur im Zusammenhang mit Corona, sondern auch in der Beziehung zwischen Mutter und Sohn. Der Mann, der Adrian,  verstummt.

 

Erst nach der Tat kann dieser Mensch sprechen. Es braucht erst den sechsfachen Tod, damit dieser eine Mensch ins Reden kommt. Der Gutachter lobt seine Bereitschaft zur Kooperation.

 

Adrian hat nach dem Abitur seine Studiengänge abgebrochen. Er ist in den Schoss der Famlie zurückgekehrt. Wie es oft geschieht, wenn die Kinder 'scheitern'. Sie gehen dann zu den Alten zurück. Adrian nennt sie "Monster". Diesen Schoss,  seine Famile, hat er nun zerschossen.

 

Ebeso hat Gudrun Bichler, jene Figur, die Jelinek in den Toten entwirft, ihr Studium der Philosophie abgebrochen. Adrian hätte eine Erfindung der Schriftstellerin aus Österreich sein können.

 

Es ist Blut in Strömen in Rot am See geflossen. Warum eigentlich musste diese Tat in einem Ort geschehen, der Rot heißt. In einer Kneipe. Adrians Vater war Wirt und Fussballfan. Ein Anhänger des VFL  Stuttgart. Ist nach der Tat nicht mehr so wichtig. Oder doch, weil der Sport wichtiger genommen wird, als  menschliche Beziehungen.

 

Wie würde der Erschossene jetzt über die Geisterspiele in der Liga denken?

 

In der Pension, nahe am Kurpark, bellt ein Hund. Das Frauchen schreit: Aus. Aus. Aber das Tier, dem Geschlecht so nah, bellt weiter. Es ist nicht aus.

 

 


20.7.20 13:30, kommentieren